RISIKEN

Die Hornhauttransplantation weist im Verhältnis zu den Transplantationen von inneren Organen eine mit Abstand höhere Erfolgsrate auf. Dies verdanken wir neben den bemerkenswerten Fortschritten der mikrochirurgischen Technik und der medikamentösen Behandlung auch einer biologischen Besonderheit der Hornhaut, die sie für die Immunabwehr des Körpers, die „Abstoßung“, weniger als andere Organe anfällig macht. Trotzdem handelt es sich um eine Transplantation, welche mehr Risiken in sich trägt als andere Augenoperationen.

Wie jede Operation kann sie (wenn auch selten) so schwerwiegende Komplikationen nach sich ziehen, dass auch eine Erblindung oder der Verlust des Augapfels möglich ist. Als Besonderheit gilt, dass auch an einer klar eingewachsenen Hornhaut über viele Jahre, ja lebenslang, Komplikationen der Transplantation auftreten können, auf die man ein Leben lang achten muss. Neben den allgemein üblichen Operationsrisiken wie Infektion, Blutung, Verletzung von Augenstrukturen und Notwendigkeit von Nachoperationen gibt es einige spezifische Risiken, welche hier kurz thematisiert werden sollen. Die individuell in jedem Fall vorliegenden Risiken bespricht der beratende Arzt im Aufklärungsgespräch mit den Patienten.

Bei der durchgreifenden oder vorderen lamellären Keratoplastik bleibt manchmal nach der Fadenentfernung eine so hohe, ungleichmäßige Hornhautverkrümmung zurück, dass sie mit Brille oder Kontaktlinsen nicht verträglich/ausreichend korrigiert werden kann. Außerdem kann sich auch der Wert der Brille teils beträchtlich ändern, sodass eventuell das Zusammenspiel beider Augen beeinträchtigt ist. Solche hohen Refraktionsfehler können heute glücklicherweise in den meisten Fällen durch einen Korrektureingriff in Form feiner Einschnitte in die Hornhaut, einer Laserbehandlung der Hornhaut, durch die Einpflanzung von Kunstlinsen in das Auge oder eine Kombination solcher Korrektureingriffe sehr wirkungsvoll soweit verringert werden, dass danach eine optische Korrektur mit Brille und/oder Kontaktlinse möglich ist. Belastung und Komplikationsrisiko solcher zusätzlichen Eingriffe sind glücklicherweise nicht hoch.

Nur in seltenen Fällen kann trotz einer klar eingewachsenen Hornhaut die Verkrümmung so hoch oder so unregelmäßig sein, dass man nur durch eine erneute Hornhauttransplantation eine Chance auf eine Sehverbesserung hat. Die neue Hornhaut wird bei einer durchgreifenden Hornhautübertragung mit dem Auge im Laufe der Monate und Jahre nach der Transplantation solide mit einer feinen Narbe verheilen. Diese Narbe wird jedoch niemals wieder ganz so fest wie eine nicht operierte Hornhaut. Deshalb sollten man natürlich ganz besonders in der ersten Zeit nach der Operation, solange die Narbe erst noch in Entstehung begriffen ist, letztlich aber ein ganzes Leben lang darauf achten, das operierte Auge vor vermeidbaren mechanischen Belastungen und Verletzungsgefahren zu schützen. Das Tragen einer Brille (auch wenn das Glas für das operierte Auge noch nicht stimmt) ist ein guter Schutz.

Bei der Ausübung von Mannschafts- und Ballsportarten und dergleichen sollte eine eigene Schutzbrille getragen werden. Bei der endothelialen Keratoplastik ist es möglich, dass das Transplantat trotz der Luftblase nicht an seinem Platz verbleibt und daher die Luftblase nochmals operativ eingegeben werden muss. Auch kann durch die Luftblase ein sog. Pupillarblock entstehen, so dass der Augeninnedruck ansteigt, was Schmerzen und Übelkeit verursacht. Im Falle solcher Beschwerden, bitte immer sofort dem Pflegepersonal Bescheid geben! Der kleine Einschnitt in der Regenbogenhaut (Iridektomie), welcher zur Vermeidung des Pupillarblocks angelegt wird, kann manchmal bei genauer Betrachtung als eine Art 2. Pupille zu sehen sein. Sollte dies kosmetisch stören, was jedoch extrem selten ist, kann die Iridektomie mit einem erneuten Eingriff verschlossen werden.

Bei allen Arten von Hornhauttransplantationen kann es trotz der biologischen Besonderheit der Hornhaut zu einer Abstoßungsreaktion kommen. Dabei handelt es sich um eine Abwehrreaktion des Organismus gegen das fremde Gewebe. Unbehandelt führt sie glücklicherweise nicht zum Herausfallen des Transplantates, wohl aber zur Eintrübung. Das Risiko einer Abstoßung ist in den ersten 1 – 3 Jahren am höchsten, in einem geringen Prozentsatz aber lebenslang vorhanden. Abstoßungen können, wenn sie früh genug erkannt werden, zumeist allein durch Augentropfen gestoppt und das Transplantat klar erhalten werden. Die verordneten Augentropfen dienen übrigens der Vorbeugung gegen eine solche Abstoßungsreaktion. Da eine Abstoßung am Beginn nur geringe Symptome macht, ist es unerlässlich, umgehend den Augenarzt oder direkt die Augenklinik aufzusuchen, wenn eine vermehrte Rötung, Lichtempfindlichkeit, Schmerz und Berührungsempfindlichkeit oder verschwommenes Sehen bemerkt wird, das länger als 2 Stunden andauert. Bitte niemals Warten „ob es sich von selbst wieder gibt“. Das Risiko einer Abstoßung ist nach heutigem Kenntnisstand für alle Arten von Hornhauttransplantation gleich. Für die vordere lamelläre Transplantation gilt sie als geringer, wenn auch nicht ausgeschlossen. Trotz allen Bemühens und aller guten Chancen kann es sein, dass die transplantierte Hornhaut nie aufklart (primäres Transplantatversagen) oder auch nach Jahren wieder dauerhaft eintrübt (spätes Transplantatversagen im Wesentlichen durch Abnutzung oder auch als Folge einer Abstoßung).

In solchen Fällen kann man nur durch eine erneute Hornhauttransplantation Abhilfe schaffen, welche im Allgemeinen wieder mit sehr guten Erfolgsaussichten, auch wiederholt durchgeführt werden kann. Diese Hinweise, dass es auch noch nach vielen Jahren möglicherweise zu Komplikationen kommen kann, sollen Patienten beileibe nicht ängstlich oder übervorsichtig machen – im Gegenteil: nur Risiken, die man kennt und versteht, kann man auch vermeiden. Bitte zögern Sie als Patient nicht, alle offen gebliebenen Fragen im persönlichen Gespräch mit unseren Ärzten zu klären!

Vergessen Sie niemals:

Die Hornhauttransplantation ist nur möglich aufgrund eines Geschenks eines Verstorbenen an Sie. Wir setzen daher als selbstverständlich voraus, dass Sie alles Ihnen mögliche tun werden, um den Operationserfolg zu gewährleisten. Trotz der möglichen Komplikationen gilt, dass die Hornhauttransplantation heute eine Operation mit außerordentlich hohen Erfolgschancen ist.

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